Unser Tier des Monats August:
Die Skorpionsfliege - ein ungefährlicher Aasfresser mit dem Hang zum Stehlen
Alle in dieser Serie vorgestellten Arten können mit etwas Glück auf unserem Vereinsgelände in Waldhilsbach beobachtet werden.
Text und Fotos von Jutta Bastian. Vielen Dank für die freundliche Unterstützung.
![]() |
![]() |
Gewöhnliche Großpunkt-Skorpionsfliege Panorpa vulgaris
Gleich vorweg: mit einem (giftigen) Skorpion hat dieses harmlose Insekt überhaupt nichts zu tun! Skorpionsfliegen sind für Menschen völlig harmlos und weder giftig noch gefährlich. Sie können weder stechen noch beißen.
Und es handelt sich hierbei auch nicht um eine einzelne Insektenart, sondern um eine ganze Insektenfamilie, die zur Tierordnung der Schnabelfliegen gehört. Der deutsche Name für die Insekten der Gattung Panorpa leitet sich von der Ähnlichkeit dieser Zweiflügler mit einem Skorpion ab: das Hinterleibsende der männlichen Tiere ist vergrößert und zurückgebogen und ähnelt so dem Stachel eines Skorpions. Das ist aber auch schon alles an Gemeinsamkeiten!
Der „Stachel“ ist übrigens kein Abwehrorgan, sondern ein Greifarm am männlichen Geschlechtsteil. Mehr dazu im Text weiter hinten.
Zwei Männchen mit gebogenem Hinterleibsende
Gemeine Skorpionsfliege Panorpa communis |
Gewöhnliche Großpunkt-Skorpionsfliege Panorpa vulgaris |
Vorkommen:
Skorpionsfliegen sind in ganz Mitteleuropa weit verbreitet. Man findet sie von Ende April bis September in eher schattigen, feuchten Lebensräumen, bevorzugt an Waldrändern, Hecken und Gebüschen, wo sie auf niedriger Vegetation und Blättern sitzen.
![]() |
Strukturreiche Landschaften, in denen sich feuchte, kühlere Stellen mit trockenheißem Gelände abwechseln, niedrigwüchsige Magerwiesen mit angrenzender Hochstaudenflur und im Randbereich Gebüschzeilen und Hecken bieten den Skorpionsfliegen idealen Lebensraum und Nahrungsgrundlage. |
|
|
Auf der Schmetterlingswiese des Obst- und Gartenbauvereins findet man Skorpionsfliegen an vielen Stellen - und auch in großer Anzahl. |
|
|
In Deutschland gibt es fünf Arten in der Gattung Panorpa, davon eine allerdings nur in den Alpen.
Lebensweise:
Skorpionsfliegen ernähren sich vor allem von toten und verletzten Insekten, manchmal auch von Nektar und Früchten, wie zum Beispiel Himbeeren oder auch Honigtau von Blattläusen. Selten treten Imagines (erwachsene Tiere) auch an Aas (von toten Wirbeltieren) auf.
Gelegentlich verspeisen sie auch Insekten, welche in den Netzen von Webspinnen gefangen sind. Sie balancieren zu diesem Zweck auf den Spinnenfäden und können sich durch einen Spezialsaft aus ihrem Darm im Gegensatz zu anderen Insekten auch von den klebrigen Fäden wieder lösen. Da sie nicht im eigentlichen Netz gefangen wurden, werden sie von der Spinne ignoriert, da Netzspinnen auf die Signale der Netzfäden zum Beuteerkennen angewiesen sind.
Gemeine Skorpionsfliege Panorpa communis
|
Foto: Michael Happ |
Für diese spezielle Art der Nahrungsaufnahme – also den Diebstahl der von Spinnen gefangenen und getöteten Kleininsekten (Fachwort: Kleptoparasitismus) - haben Skorpionsfliegen einen langen und besonders gestalteten Schnabel: er ermöglicht es ihnen, Kleintiere aus Spinnennetzen zu klauen, ohne die Alarmfäden im Spinnennetz zu berühren.
Zur Paarungszeit bietet das Männchen dem Weibchen ein „Brautgeschenk“ an: eine Essens-Einladung in Form eines toten Insekts, sozusagen das Pendant zum menschlichen Rendezvous-Verhalten... Mitunter muss aber auch „Selbstgekochtes“ genügen – das Weibchen kriegt dann liebevoll vorgekaute Speichelkügelchen, bis zu sieben Stück, mehr kann das Männchen nicht produzieren.
Im Idealfall beschäftigt sich die Dame während der Paarung mit dem Essen und vergisst, das Männchen abzuwehren, während dieses aktiv für den Nachwuchs sorgt.Ist die Dame trotz Brautgeschenk nicht willig, dann greift sich das Männchen notfalls das Weibchen und wendet schon auch mal mit Hilfe des Greifarms am Genitalapparat Gewalt an.Beides nicht die feine Art nach menschlichen Kriterien! Aber ein Insektenleben ist halt anders. |
Gemeine Skorpionsfliege Panorpa communis
Foto: Richard Bartz |
Nachweislich wirkt sich die Übergabe von Paarungsgeschenken eindeutig positiv auf die Eiproduktion des Weibchens aus, zurückzuführen auf die zusätzlichen Nahrungsressourcen, welche das Weibchen vom Männchen erhalten hat.

Gewöhnliche Großpunkt-Skorpionsfliege Panorpa vulgaris, Kopula
Die Eiablage (30-50 Eier) erfolgt in feuchte Spalten in der Erde, die Larven leben am oder im Boden, wo sie kleine tote Insekten oder organisches Material fressen. Die Puppen entwickeln sich im Boden. Früh abgelegte Eier ergeben in wenigen Wochen eine zweite Generation von Skorpionsfliegen (die auf dem OGV-Gelände jetzt ab August fliegt). Die Larven aus den später abgelegten Eiern verpuppen sich und überwintern in der Erde. Daraus schlüpfen im späten Frühjahr die Skorpionsfliegen der ersten Generation des Folgejahres.
*******************************************************************************
Unser Tier des Monats Juli: Sommer, Sonne ... Schmetterlinge!
In keinem anderen Monat des Jahres sieht man so viele Schmetterlinge wie im Juli. Da ist es naheliegend, das Tier des Monats aus dieser Tierordnung zu wählen. Aber gerade weil im Juli nahezu alle am Tag fliegenden Falterarten unterwegs sind, möchte ich den Juli 2026 zum Schmetterlingsmonat ausrufen und hier einige der häufigsten aber auch etwas weniger bekannte Falterarten vorstellen. Und das Beste daran: alle hier gezeigten Arten sind auf dem OGV-Gelände, hauptsäch-
lich auf der Streuobst-Schmetterlingswiese, zu sehen. Also: Augen auf die geeigneten Nektarpflanzen richten und Waldhilsbacher Schmetterlinge suchen!
1. Das Tagpfauenauge (Aglais io)
Der Falter auf unserem Bild macht gerade eine Trinkpause auf einer eher unscheinbaren, aber sehr beliebten Nektarpflanze: er ruht an Dost (= Wilder Majoran). Wer diesen im Garten wachsen lässt, wird das Tagpfauenauge und viele weitere Insekten zu sehen bekommen.
Doch bevor wir irgendeinen Fal-
ter zu sehen bekommen, braucht es ...
... die dazugehörige Schmetterlingsraupe - wer Schmetterlinge sehen möchte, muss die Raupen ertragen.

Die Raupen des Tagpfauenauges ernähren sich ausschließlich von Brennnesseln. Und das ist eigentlich ganz wunderbar – denn die wachsen in jedem Garten. Vorausgesetzt man lässt sie! Schon wenige Brennnesselstauden in einer wilden Gartenecke locken Schmetterlinge an: eine effektive Maßnahme für den heimischen Artenschutz.

Und an Ihren Brennnesseln darf es dann ruhig auch mal so aussehen wie auf der OGV-Schmetterlingswiese: dort waren an einem großen Brennnesselbestand am 6. Juni mehr als 200 Raupen am Fressen.
Wie schön für die Waldhilsbacher Schmetterlingsliebhaber! Einige der später geschlüpften Falter sind sicher weitergeflogen in die Gärten der Wohnsiedlung.
2. Der Kleine Fuchs (Aglais urticae)
![]() |
![]() |
Auf der Schmetterlingswiese nahe der Holzhütte saugt der Kleine Fuchs gerne an einer seiner bevorzugten Nahrungsquellen: der Acker-Kratzdistel. |
In der Streuobstwiese nutzt er vor allem Ackerwitwenblumen, aber auch andere Nektarspender. |
Wie das Tagpfauenauge gehört auch der Kleine Fuchs zu den „Brennnesselfaltern“. Seine Raupe frisst nur an Kleiner und Großer Brennnessel.
3. Der Admiral (Vanessa atalanta)
Wer an seinen Brennnesseln eine solche
„Brennnesselblatt-Lasagne“ entdeckt, darf sich
freuen: er beherbergt gerade den „Chef“ unter
unseren Edelfaltern, den Admiral. Seine Raupe
versteckt sich in einer seitlich zusammengehef-
teten Brennnessel-Tüte. So schützt sie sich vor
Vogel- und Spinnenfraß!
Beim Öffnen der Lasagne kommt eine rötliche, gelbe, schwarze oder graubunte Raupe zum Vorschein, die sich nach 3 – 4 Wochen verpuppt. Nach weiteren knapp zwei Wochen, meist Mitte bis Ende Juli, schlüpft der prächtige Falter mit einer Flügel-Spannweite von 6 1⁄2 Zentimetern.
![]() |
![]() |
Den deutschen Namen verdankt der Admiral seiner markanten, rot-schwarzen Flügel-Färbung: sie erinnert an die historische Uniform eines Marine-Admirals. Auf dem OGV-Gelände fand ich Ende Juni und Anfang Juli viele „Lasagnen“, nahezu an jeder Brennnesselgruppe einige. Die Falter waren noch nicht geschlüpft.
Nachfolgende Schmetterlinge fliegen zur Zeit auf der OGV-Schmetterlingswiese. Deren Raupen leben an Gräsern und anderen Wiesenpflanzen. Es ist nur eine kleine Auswahl der 40 bisher im OGV-Gelände angetroffenen FalterarSeine Raupe lebt an Gräsern. Der Falter links hatte unfreiwilligen Kontakt mit einem Vogel, konnte diesem aber entkommen... Die Vogelbiss-Spuren am Hinterflügel sind deutlich zu erkennen.ten:
4. Das Schachbrett (Melanargia galathea)...
... ist ein ausgesprochener Wiesenfalter, den man im Garten nur sehr selten antrifft.
![]() |
![]() |
Seine Raupe lebt an Gräsern. Der Falter links hatte unfreiwilligen Kontakt mit einem Vogel, konnte diesem aber entkommen... Die Vogelbiss-Spuren am Hinterflügel sind deutlich zu erkennen.
5. Der Kleine Heufalter (Coenonympha pamphilus) - auch Wiesenvögelchen genannt

Klein, aber oho!
Schon seit Ende April zu beobachten, fliegt er den ganzen Sommer über und man findet ihn auf jeder Wiese. Die vereinzelt blühenden Magerwiesen-Margeriten in der Schmetterlingswiese bieten seine Lieblingsspeise.
6. Der Distelfalter (Vanessa cardui)
Distelfalter, die wir schon ab Juni im Gelände sehen, sind keine heimischen Tiere – so wie der Falter im linken Bild. Er saugte schon am 6. Juni als einer der frühesten Schmetterlinge ausdauernd an den Ligusterblüten im oberen Bereich der Schmetterlingswiese.
![]() |
![]() |
Der Distelfalter ist ein Wanderfalter. Er überwintert in Afrika. Im Frühling startet der Wanderflug nach Norden. Die Flugstrecke von bis zu 15.000 Kilometern teilen sich mehrere unterwegs sich entwickelnde Generationen nacheinander. Hier „geborene“ Distelfalter fliegen oft erst ab dem Hochsommer.
7. Der Hauhechelbläuling (Polyommatus icarus)
![]() |
|
männlicher Falter |
weiblicher Falter, Unterseite |
Der Hauhechelbläuling ist unser häufigster Falter aus der Familie der Bläulinge. Trotzdem kennt ihn kaum jemand. Dabei sind diese Schmetterlinge sehr hübsch und aufgrund ihrer Farbe auf den Flügeloberseiten durchaus auffällig, wenn auch deutlich kleiner als die bisher vorgestellten Falter aus der Familie der Edelfalter. Ihre Spannweite beträgt nur etwa 2,5 – 3 cm. Alle Bläulinge sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt, ihre Lebensräume dürfen nicht zerstört werden.
8. Der Kurzschwänzige Bläuling (Cupido argiades)
![]() |
Woher dieser Falter seinen deutschen Namen hat, lässt sich unschwer erraten: es sind die weißen Zipfelchen am Saum der Hinterflügel. Da auch dieser Bläuling nur ca. 3 cm Flügelspannweite hat, muss man im Freiland aber schon sehr genau hinschauen, um die „Schwänzchen“ erkennen zu können!
9. Der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)
Hauptsache lila – könnte man denken, wenn man diesen Falter aus der Familie der Weißlinge beim Saugen beobachtet. Denn er sucht bevorzugt rosa- oder lilafarbene Blüten auf. Im OGV-Gelände saugten Anfang Juli bis zu 15 Falter gleichzeitig am Blutweiderich beim Tümpel nahe des Eingangsbereichs (3. Bild von links).
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
10. Der Rostfarbige Dickkopffalter (Ochlodes sylvanus)
![]() |
![]() |
Wie ein Mini-Düsenjäger wirkt die Silhouette des Rostfarbigen Dickkopffalters, wenn er ruht oder an Blüten saugt. Auch sein schneller und zielstrebiger Flug erinnert an einen Düsenjet. Auf der Wiese fällt der Schmetterling - aus der Familie der Dickkopffalter - trotz der knallorangenen Färbung wegen seiner geringen Größe kaum auf. Im OGV-Gelände ist er nicht selten. Man findet ihn unter anderem am Schmetterlingsflieder und an den Ackerwitwenblumen. |

*******************************************************************************
Unser Tier des Monats Juni: Das Große Ochsenauge (Maniola jurtina)
Das Große Ochsenauge gehört zur Familie der Edelfalter und dort zur Unterfamilie der Augenfalter.
Wie Augen aussehende auffällige Flecke zieren die Oberseite der Vorderflügel bei den Weibchen, was der Art ihren Namen gab. Derartige Riesenaugen schrecken die Fraßfeinde ab. Ihnen wird vorgegaukelt, der Falter wäre ein großes Tier, mit dem man sich lieber nicht anlegen sollte.
Die Männchen haben kein solch auffälliges Kennzeichen und sind auch deutlich kleiner als die Weibchen. Letzteres gilt auch für viele andere Falterarten.
links: Großes Ochsenauge, weibl. Falter
Die Augen auf der Flügeloberseite sieht man beim Ochsenauge nur äußerst selten: die Falter halten in der Ruhestellung meistens und beim Saugen an Blüten immer ihre Flügel zugeklappt, so dass man lediglich die Flügelunterseiten sieht, mit meist unauffälligen kleinen Augen.
rechts: Großes Ochsenauge, männl. Falter
![]() |
![]() |
Weiblicher Falter an Dost saugend Männlicher Falter, Unterseite
Ihr Name suggeriert etwas anderes: die Großen Ochsenaugen sind nur mittelgroße Falter, mit 40 – 50 Millimetern Flügelspannweite. In anderen Gebieten fliegt eine kleinere, aber ansonsten sehr ähnlich aussehende Art: das Kleine Ochsenauge. Es hat nur 35 – 42 mm Spannweite. In unserer Region ist es aber nicht heimisch.
Das Große Ochsenauge ist in ganz Europa bis Nordafrika verbreitet. Man kann die Falter von Ende Mai bis Ende September sehen. Sie fliegen in nur einer Falter-Generation. Das ist für ein Falterleben beachtlich lange: die meisten Schmetterlinge leben nur einige Tage bis wenige Wochen. Manche Arten bilden dann aber mehrere Generationen im Jahr aus, so dass auch sie den ganzen Sommer über beobachtet werden können. Man findet die Ochsenaugen auf Wiesen, an Waldrändern sowie in Parkanlagen und in Gärten – vorausgesetzt diese haben keinen kurzgeschorenen Sportrasen aus trittfesten, strapazierfähigen Grasarten und sie werden nicht gedüngt.
Die Falter saugen Nektar an verschiedenen Pflanzen. Sie bevorzugen violette Blüten wie Kratzdisteln, Flockenblumen, Lavendel, Ackerwitwenblumen, Sommerflieder und andere. Aber auch Sonnenhut, Schafgarbe, Brombeerblüten, Klee, Margeriten und andere Sommerblumen werden besucht.
![]() |
![]() |
Eine vielseitige, naturnahe Streuobstwiese mit reichem Blütenangebot ist der ideale Lebensraum für das Große Ochsenauge.
Auf dem Gelände des OGV fand ich mehrere Falter an Flockenblumen saugend:
Aber nicht nur an Flockenblumen: sie saugten auch besonders gerne und zahlreich an den vielen blühenden Ligusterbüschen, die mit ihrem kräftigen Duft sogar die Falter aus dem angrenzenden Wald anlockten:
![]() |
![]() |

Auf der OGV-Schmetterlingswiese konnten so an einem sonnigen Tag knapp 100 Ochsenaugen gezählt werden! Das dürfte sich in den kommenden Wochen noch etwas verstärken, wenn alle Falter geschlüpft sind. Hauptflugzeit ist Ende Juni bis Anfang August.
Ohne Raupen keine Schmetterlinge oder: wer Falter in seinem Garten haben möchte, der muss auch deren Raupen ertragen!
Die Weibchen des Großen Ochsenauges legen ihre Eier in frisch gemähten natürlichen Wiesen ab, wobei sie diese einzeln an stehen gebliebene Grasreste nahe des Bodens kleben. Faule Weibchen lassen sie allerdings auch einfach über der Wiese fallen.
Die aus den Eiern geschlüpften Mini-Jungräupchen suchen sich dann ihre Nahrung gleich nach dem Schlupf selbst: sie leben an verschiedenen Süßgräsern. Die Vielseitigkeit und Flexibilität bei der Raupen- und der Falternahrung sorgen dafür, dass das Große Ochsenauge auch heute noch zu den häufigeren Tagfaltern zählt. |
Foto: H. MelzerDie Raupe des Großen Ochsenauges ist ziemlich unauffällig – das schützt sie vor Vögeln und anderen Fraßfeinden. |
Eine Besonderheit, die bei Schmetterlings-Liebhabern nicht immer bekannt ist: Falter laben sich nicht nur an bunten Blumen. Um Spurenelemente und Mineralstoffe zu erhalten, nehmen Tagfalter neben Nektar auch Wasser zu sich, in denen diese Stoffe gelöst sind. Und dafür reicht ihnen Regenwasser oft nicht aus; sie greifen deshalb gelegentlich zu härteren „Mineralstoffbomben“: so saugen sie gerne an Pfützenwasser, „rüsseln“ an feuchter Erde und Steinen sowie an vielem anderen, was mineralstoffreich ist. Dabei decken sie ihren Bedarf durchaus auch mal mit – für unsereinen - eher ungewöhnlichen Leckerbissen:
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Mineralienreiche Leckerbissen des Großen Ochsenauges von links oben nach rechts unten:
ein verschmutzter Rucksack, verschwitzter Finger, verschwitzte Hand, Ärmelmanschette, Tierkot, verschmutztes Schmetterlings-Fangnetz. Ohne Foto: ölige Fahrradkette, staubiger Auto-Scheinwerfer, Pferdeäpfel, Eulengewölle, Verschluss von Getränkeflasche, Fahrrad-Katzenauge ...
Text und Fotos: Jutta Bastian
*******************************************************************************
Unser Tier des Monats Mai: Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula)
Die Frühe Adonislibelle gehört mit ihrer Körperlänge von 33-36 mm zur Gruppe der Kleinlibellen. Sie fliegt von Ende April bis in den Juni. Eigentlich ist sie weit verbreitet und wo sie vorkommt, ist sie auch nicht selten. Allerdings ist die Tendenz rückläufig, weil es immer weniger naturnahe Kleingewässer gibt.

Wie ihr Name schon andeutet: die Frühe Adonislibelle ist eine der am frühesten im Jahr fliegenden Libellenarten und besiedelt vorzugsweise nährstoffreiche und verwachsene kleine Teiche und Weiher, gelegentlich auch langsam fließende Gewässer. Baum-, Strauch- oder Staudenvegetation fördern ihre Ansiedlung.
Auf der Schmetterlingswiese beim OGV-Waldhilsbach werden genau diese Anforderungen offensichtlich erfüllt!

Pyrrhosoma nymphula fliegt nur wenig und meist nur kurze Strecken. Deshalb kann man sie an der gewässerumgebenden Vegetation oft beim Ruhen beobachten.


Links: „Libellenrad“ in Herzform bei der Paarung. Das obere Tier ist das Männchen.

Rechts: In dieser Andockstellung bei der Paarung taucht das Männchen das Weibchen zur Eiablage oft unter Wasser.
(Die beiden untersten Fotos entnommen aus Wikimedia.)
Nach der Begattung stechen die Weibchen ihre Eier in Pflanzenstängel und tauchen dabei auch unter Wasser. Sie legen bis zu 600 Eier ab und können dabei 40 Minuten unter Wasser bleiben. Häufig tauchen auch die angekoppelten Männchen mit unter.
Die Larven leben nach dem Schlupf am Gewässerboden in der Vegetation, innerhalb von 2 Jahren häuten sie sich 12 Mal und werden dann bis zu 21 mm lang.
Die Frühe Adonislibelle ist ein typischer Ansitzjäger. Meist sitzen die Libellen ein bis zwei Meter über dem Boden in Büschen, oder tief unten im Gras. Sie ernähren sich als ausgewachsenes Insekt räuberisch von kleinen, fliegenden Insekten, die an den Gewässerrändern gejagt werden: Bremsen, Stechmücken, Schnaken, kleine Fliegen und auch kleinere Libellenarten. Die Larven leben im Wasser und fressen Mückenlarven und andere kleine Wasserlebewesen.
Libellen sind äußerst nützlich als natürliche Schädlingsbekämpfer. Zudem dienen sie als Bioindikatoren, da ihre Anwesenheit auf saubere Gewässer und eine intakte Natur hinweist.
Text und Fotos: Jutta Bastian
*******************************************************************************
Unser Tier des Monats April: Der Große Wollschweber (Bombylius major)
Was ist das für ein Insekt, das schon im zeitigen Frühjahr, ab Ende März, gerne im Schwebeflug an Waldrändern und auf Streuobstwiesen dicht über den Boden patrouilliert, und wozu hat es einen so langen Stachel oder Rüssel?
Es ist der Große Wollschweber. Und das lange Etwas vorne ist kein Stachel, sondern ein Rüssel zur Nahrungsaufnahme. Das Tierchen kann also nicht stechen und ist somit für uns Menschen völlig harmlos!
In Deutschland gibt es mehrere Wollschweber-Arten, von denen der Große Wollschweber der häufigste ist. Und seinem Namen kann man entnehmen, dass er auch eine der größeren Arten ist. Er ist dicht braun bis beige bepelzt, sein nach vorne gerichteter Saugrüssel misst 5,5 – 7,7 mm und die Fühler sind dunkel, kurz und ebenfalls nach vorne gerichtet. Die Flügel sind vorne dunkel gemustert und hinten durchsichtig. Auffällig sind auch die langen rotbraunen Beine.
Die Gesamtverbreitung des Großen Wollschwebers erstreckt sich von Nordafrika über Europa, Asien und Nordamerika. In Deutschland ist das Vorkommen auf klimatisch günstige Orte beschränkt. Bei uns ist der Große Wollschweber noch relativ häufig, wegen seines schnellen Fluges aber nicht leicht zu beobachten. Oft sieht man ihn, wenn er vor Pflanzen schwebend mit seinem langen Rüssel in die Blüten eintaucht und sich am Nektar labt.
Wer einen Garten hat, kann ihn an den ersten Blumen des Jahres beobachten.
Die Larven des Großen Wollschwebers leben räuberisch; sie ernähren sich als Brutparasiten von im Boden nistenden Wildbienen, vor allem von Erd- bzw. Sandbienen. Dabei fressen sie sowohl deren Blütenpollen-Vorräte als auch die Larven und Eier der Bienen. Gelegentlich ernähren sie sich aber auch von unterirdisch überwintern den Schmetterlingsraupen oder von Heuschrecken-Gelegen.
Trotz seiner plumpen, pelzigen Gestalt ist dieser Zweiflügler äußerst schnell und wendig mit der Fähigkeit, auf der Stelle zu schwirren. Erwachsene Wollschweber ernähren sich ausschließlich von Nektar und Blütenpollen, den sie - ähnlich wie Kolibris - vor der Pflanze in der Luft schwebend aufnehmen. Dabei bohren sie den langen Rüssel in die Blüten.


Die recht standorttreuen Männchen liefern sich Luftkämpfe, wenn eines in das Revier eines anderen eindringt. Nach der Paarung legt das Weibchen die blassgelben, reiskornförmigen und etwa 0,5 Millimeter großen Eier vor die Zugänge der Wirtsnester oder wirft diese zielgenau im Flug ab. Die geschlüpfte und sehr bewegliche Larve kriecht dann in den Bau des Wirtes, dort in eine Zelle und ernährt sich zunächst vom Bienenbrot (Pollen-Nektar-Mischung). Nach der Häutung heftet sich die madenförmige Larve an die Bienenlarve an und saugt diese als Parasitoid von außen aus.
Vollgefressen und im nächsten Entwicklungsstadium - als Puppe - überwintert der Wollschweber und bohrt sich im folgenden Frühjahr aus dem Nest an die Erdoberfläche. Dort schlüpft die fertige Fliege, der erwachsene Wollschweber, meist im April und beglückt uns als eines der ersten Insekten schon im zeitigen Frühjahr beim Saugen an den Frühblühern.













































