Unser Tier des Monats April: Der Große Wollschweber (Bombylius major)
Alle in dieser Serie vorgestellten Arten können mit etwas Glück auf unserem Vereinsgelände in Waldhilsbach beobachtet werden.
Text und Fotos von Jutta Bastian. Vielen Dank für die freundliche Unterstützung.
Was ist das für ein Insekt, das schon im zeitigen Frühjahr, ab Ende März, gerne im Schwebeflug an Waldrändern und auf Streuobstwiesen dicht über den Boden patrouilliert, und wozu hat es einen so langen Stachel oder Rüssel?

Es ist der Große Wollschweber. Und das lange Etwas vorne ist kein Stachel, sondern ein Rüssel zur Nahrungsaufnahme. Das Tierchen kann also nicht stechen und ist somit für uns Menschen völlig harmlos!
In Deutschland gibt es mehrere Wollschweber-Arten, von denen der Große Wollschweber der häufigste ist. Und seinem Namen kann man entnehmen, dass er auch eine der größeren Arten ist. Er ist dicht braun bis beige bepelzt, sein nach vorne gerichteter Saugrüssel misst 5,5 – 7,7 mm und die Fühler sind dunkel, kurz und ebenfalls nach vorne gerichtet. Die Flügel sind vorne dunkel gemustert und hinten durchsichtig. Auffällig sind auch die langen rotbraunen Beine.
Die Gesamtverbreitung des Großen Wollschwebers erstreckt sich von Nordafrika über Europa, Asien und Nordamerika. In Deutschland ist das Vorkommen auf klimatisch günstige Orte beschränkt. Bei uns ist der Große Wollschweber noch relativ häufig, wegen seines schnellen Fluges aber nicht leicht zu beobachten. Oft sieht man ihn, wenn er vor Pflanzen schwebend mit seinem langen Rüssel in die Blüten eintaucht und sich am Nektar labt.
Wer einen Garten hat, kann ihn an den ersten Blumen des Jahres beobachten.
Die Larven des Großen Wollschwebers leben räuberisch; sie ernähren sich als Brutparasiten von im Boden nistenden Wildbienen, vor allem von Erd- bzw. Sandbienen. Dabei fressen sie sowohl deren Blütenpollen-Vorräte als auch die Larven und Eier der Bienen. Gelegentlich ernähren sie sich aber auch von unterirdisch überwintern den Schmetterlingsraupen oder von Heuschrecken-Gelegen.
Trotz seiner plumpen, pelzigen Gestalt ist dieser Zweiflügler äußerst schnell und wendig mit der Fähigkeit, auf der Stelle zu schwirren. Erwachsene Wollschweber ernähren sich ausschließlich von Nektar und Blütenpollen, den sie - ähnlich wie Kolibris - vor der Pflanze in der Luft schwebend aufnehmen. Dabei bohren sie den langen Rüssel in die Blüten.


Die recht standorttreuen Männchen liefern sich Luftkämpfe, wenn eines in das Revier eines anderen eindringt. Nach der Paarung legt das Weibchen die blassgelben, reiskornförmigen und etwa 0,5 Millimeter großen Eier vor die Zugänge der Wirtsnester oder wirft diese zielgenau im Flug ab. Die geschlüpfte und sehr bewegliche Larve kriecht dann in den Bau des Wirtes, dort in eine Zelle und ernährt sich zunächst vom Bienenbrot (Pollen-Nektar-Mischung). Nach der Häutung heftet sich die madenförmige Larve an die Bienenlarve an und saugt diese als Parasitoid von außen aus.
Vollgefressen und im nächsten Entwicklungsstadium - als Puppe - überwintert der Wollschweber und bohrt sich im folgenden Frühjahr aus dem Nest an die Erdoberfläche. Dort schlüpft die fertige Fliege, der erwachsene Wollschweber, meist im April und beglückt uns als eines der ersten Insekten schon im zeitigen Frühjahr beim Saugen an den Frühblühern.

Text und Fotos: Jutta Bastian
Einige Textstellen entnommen aus: Artensteckbriefe Insekten, BUND Naturschutz, Kreisgruppe Altötting.